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Rund um den Mıvatn (9. Tag)

Routenverlauf
Straßen: 1 - 848
Stationen: (Reykjahlíð -) Dimmuborgir - Höfði - Skútustaðir - Arnarvatn - Geirastaðir - Grimsstaðir (- Reykjahlíð)
Gesamtkilometer: ca. 43, also eher ein Ruhe- als ein Fahrtag
Straßenzustand: Mit Ausnahme einzelner Stichstraßen durchweg asphaltiert. Keine Herausforderung für Mensch und Automobil.

 


Umzug ins Gästehaus

Pétur Gislasson hatte (weil wir den Reisetermin nachträglich verschieben mussten) leider nur für drei Nächte ein Zimmer für uns in seinem Hotel Reykjahlíð. Aber er hatte uns für die vierte Nacht schon im Frühjahr eine Ersatzunterkunft gebucht: In einem nahe gelegenen Gästehaus. Gästehäuser sind in Island verbreitet und ein - allerdings sehr formenreiches - Zwischending zwischen einer Pension und einem Hotel. Unser Gastgeber ist Eldá, Helluhraun 15. Dort sprechen wir nach Frühstück und Auszug im Hotel Reykjahlíð vor, um sicherzugehen, dass wir in der kommenden Nacht tatsächlich ein Bett haben werden. Werden wir. Also können wir uns ganz dem Tagesprogramm widmen. Heute vorgesehen: Eine gemächliche Rundfahrt um den Mıvatn-See. Im Uhrzeigersinn von Reykjahlíð aus. Die beginnt in den ...

Dimmuborgir

Dort will R unbedingt hin. So recht kann ich mir nicht erklären, was an Dimmuborgir, den 'düsteren Stätten', und ihren Lavaformationen so besonders aufregend sein soll. Aber ich kenne mich ja auch nicht mit Metal-Bands aus ;-)

Zunächst allerdings versuchen wir noch, uns dem Tuff- und Aschekrater Hverfjall (oder Hverfell, 482 m) anzunähern (daher der nördliche Zipfel der Route auf der Karte). Einen guten Kilometer weit, bis sich der Weg nach Nord und Süd verzweigt, kommt man ganz ordentlich vorwärts. Der Parkplatz zum Aufstieg liegt im Norden. Wir aber wollen die südliche Route probieren, weil man dort (jedenfalls laut Vegaatlas) einige Kilometer weiter bis zu den Þrengslaborgir und zum Hvannfell vorwärts kommen sollte. Die Piste mündet aber bald in Matsch und Marsch. Also geben wir das Vorhaben auf, fahren zurück zur Ringstraße und biegen nach anderthalb weiteren Kilometern wieder links ab zum großen Parkplatz an den Dimmuborgir, wo schon ordentlich Betrieb ist.

Diese bärtigen Gestalten werben auf dem Hinweisschild an der Ringstraße für die Dimmuborgir.

Die Dimmuborgir (im Bild der Blick vom Parkplatz aus nach Osten über das Areal) sind weiträumig verstreute, heute entlang markierter und geradezu gepflegter Wege bestens zugängliche, wegen ihrer bizarren Formen gerühmte Lavaformationen. Sie sind vor rund 2.000 Jahren entstanden, als zuerst aufquellende Lava einen See bildete, dessen Oberfläche erkaltete und erstarrte. Gleichzeitig aber wurde unter dem Lavasee liegendes Wasser so stark erhitzt, dass es în Dampfsäulen durch den Lavasee nach oben schoss, wobei nun wiederum die Lava rund um die Dampfsäulen herum erkaltete und erstarrte. Als der flüssige Lavasee nach und nach abfloss, blieben die erkalteten Bereiche als Säulen und Kämme, hohle Dampfkammern, Rinnen und Spalten übrig - eben die Landschaft der Dimmuborgir. Für Vulkanologen zweifellos hoch interessant. Mehr als die Entstehungsgeschichte faszinieren uns allerdings die unterschiedlichen Ausprägungen der Lava und die verschiedenen Flechten, die sich darauf angesiedelt haben.

Jedenfalls nehmen wir nicht den allerkürzesten, daher auch meistbevölkerten Rundweg durch das Gelände, sondern die lange Runde bis zur großen Halle mit dem Namen Kirkjan (Kirche). Von der etwas erhöhten Plattform bei den Dimmuborgir aus hat man einen guten Blick nach Westen über den Mıvatn.

Auch botanisch sind die Dimmuborgir sehr ergiebig. Unterwegs begegnen wir einer großen Vielfalt von Blütenpflanzen: Weiße Silberwurz (siehe das folgende Bild), Alpenhelm, Weißliche Höswurz, Kleine Simsenlilie, Alpen-Lichtnelke, Gemeines Fettkraut.

Eine neugierige Rotdrossel begleitet uns ein gutes Stück auf dem Rundweg und lässt sich auch von hartnäckigen Fotografierattacken nicht vertreiben.

Etwa anderthalb Stunden haben wir uns in den düsteren Stätten herumgetrieben. Zeit, zur Ringstraße zurückzufahren und die Runde südwärts fortzuführen.

Höfði, das kleine Paradies am Mıvatn

Schon etwa drei Kilometer weiter halten wir erneut: Höfði, ein öffentlich zugänglicher, etwas hügeliger Park unmittelbar am Ufer des Mıvatn, lockt. Erst 1912 hat Bárður Sigurðsson hier seinen Hof errichtet. In dem weitläufigen Areal kann man - eine Rarität in Island - durch einen mittelgroßen Wald aus Birken und Kiefern wandern. Wir sind zwar erst eine gute Woche in Island, spüren aber sehr wohl die außergewöhnliche Besonderheit des Ortes.

Unter dem schützenden Blätter- und Nadeldach sprießen Farne und Blütenpflanzen (darunter auch einige Zuchtarten für den Garten): die Echte Engelwurz, der unvermeidliche Wald-Storchschnabel, buttergelber Hahnenfuß, Bachnelkenwurz in stattlich hochwüchsigen Exemplaren, Habichtskraut, der Alpenhelm, die Gemeine Schafgarbe, die Gewöhnliche Winterkresse, das Echte Labkraut - so viel Pflanzenleben war schon lange nicht mehr.

Seeseitig hat man in Höfði von vielen erhöhten, natürlichen Plattformen aus eine herrliche Sicht auf den See und auf die bizarr geformten Lavasäulen, die Kálfastrandarstrípar, die draußen im flachen Wasser aufragen.

Der Blick von Höfði nach Süden mit dem Bláfjall (1222 m) ...

... und der Blick nach Nordwesten über die Kálfastrandarstrípar.

Skútustaðir - Tankstelle und Hotels

Wer als Tourist am Mıvatn absteigen will, hat im Prinzip zwei Alternativen: Reykjahlíð im Norden (wo wir untergekommen sind). Oder eben Skútustaðir am Südufer, wo wir jetzt Halt machen. Skútustaðir ist der kleinere Ort, aber nicht minder schön gelegen mit dem Bláfjall im Hintergrund.

In Skútustaðir stehen wenigstens drei Hotels, die in diesen Tagen alle ziemlich ausgebucht sein dürften. An der Tankstelle nehmen wir erst einmal einen kleinen Kaffee. Das Hotel gegenüber kommt mir aus der Distanz etwas nobler vor als das direkt an der Tanke. Vor allem gibt es dort einen rundum verglasten Speiseraum mit direktem Blick hinaus auf den See und ins Laxárdalur.

Dort beginnt auch ein Fußpfad, der auf eine Anhöhe führt, von der aus man einen guten Rundumblick über die so genannten Pseudokrater hat. R ist von den finsteren Dimmuborgir erschöpft. Also trotte ich alleine los. Durch fette Hahnenfußwiesen windet sich der Pfad bis hinauf zu einer Aussichtsplattform. Ich richte es so ein, dass die letzte Busladung gerade weg und die nächste erst im Anmarsch ist und habe den Blick rundum daher fast für mich alleine.

Die Pseudokrater am Südende des Mıvatn

Die Pseudokrater am Mıvatn sehen aus wie Vulkankrater, sind aber keine. Sie haben nämlich keinen Schlot, also keine Verbindung zu einer darunter liegenden Magma-Schicht, sondern sind rein oberflächliche Formgebilde, die es nur in Island und da nur am Mıvatn gibt. Als sich vor vielen tausend Jahren die glühende Lava hier über sumpfig-feuchtes Gelände wälzte, verdampfte das darunter eingeschlossene Wasser schlag- und explosionsartig. Dabei entstanden die Explosionskrater, die wir heute sehen.

An der Laxá

Das Flüsschen Laxá, das manchen als schönster Fluss ganz Islands gilt, speist sich unter anderem aus den drei Abflüssen des Mıvatn: Syðstukvísl, Miðkvísl und Ystukvísl. Die Laxá ist daher ziemlich wasserreich. Sie gilt außerdem als einer der ergiebigsten und zugleich teuersten Lachsgründe Islands. Der Fluss und ein rund 200 m breiter Uferstreifen ist zusammen mit dem Mıvatn zwischenzeitlich auf ganzer Länge unter Naturschutz gestellt worden. Dabei entstand eines der größten Naturschutzgebiete ganz Islands (Mıvatn og Laxá).

Wir halten kurz an der Brücke über die Laxá und erkunden das Gelände. Storchschnabel, Hahnenfuß, Bachnelkenwurz und Echte Engelwurz breiten sich hier zwischen den Gräsern aus. Zerzauste Schafe käuen im Windschatten an sonnigen Plätzchen wieder.

Ein einsames Kragenentenweibchen verbirgt sich rasch hinter dem dichten Laub verblühter Sumpfdotterblumen. "Strömungshart" ist die Laxá - und damit genau die Sorte Revier, in der die Kragenente heimisch ist, die in ganz Europa außer in Sibirien nur noch in Island brütet.

Sonnenbad mit mehr Enten am Westufer

Wir folgen der Straße 848 am Westufer des Mıvatn nach Norden. Zwischen Geirastaðir und dem Gehöft Vindbelgur, an dessen Pforte bunte Luftballons auf einen mutmaßlichen Kindergeburtstag hindeuten, suchen wir uns ein Plätzchen direkt am See. Die Enten halten vorsorglich auf Distanz. Unwahrscheinlich, dass kostbare ornithologische Raritäten darunter sind, aber da wir ohnehin nicht vom Fach sind, würde selbst das unseren Blutdruck nicht in die Höhe treiben. Dumm nur, dass sich ausgerechnet die unauffälliger gezeichneten Weibchen in unsere Nähe trauen. Das Bestimmen wird dadurch nicht einfacher.

Ein Jungvogel (vermutlich ein Eisenten-Weibchen) schließt uns ins Herz und kommt näher. Unverdrossen führt er uns immer und immer wieder vor, wie gut er schon gründeln kann.

Ein Schnatterenten-Weibchen führt seinen Nachwuchs aus - vorsichtshalber lieber ein Stückchen weiter draußen auf dem See.

Auch das Pfeifenten-Weibchen traut sich gar nicht nahe zu uns heran - so dass wir beim Bestimmen letzte Zweifel auch nicht ausräumen können.

Die Spatelente (hier ein junges Weibchen), ist die für den Mıvatn typische Ente; sie brütet in Island nur hier und am Laxá-Fluss.

Ein gute Stunde liegen wir in der warmen Sonne im Kies (naja, vielleicht besser: in der Schlacke, die man wunderbar unter sich zurechtruckeln kann, bis man bequem liegt) und lassen die fütternden Küstenseeschwalben, die Lachmöwen und die wenigen Wolken gelassen über uns hinziehen.

Abend(b)rot

Gegen 18 Uhr brechen wir auf. In der Tankstelle in Reykjahlíð kaufen wir noch ein paar Vorräte. Dann fahren wir noch einmal hinüber zu dem Aussichtspunkt bei Grimsstaðir am Nordwestufer des Mıvatn und halten dort unser Abendbrot.

Von der erhöhten Stelle aus hat man einen weiten Blick nach Südosten über den See. Ganz links am Bildrand erkennt man noch einige Häuser von Reykjahlíð, dahinter den flachen Kegel des Búrfell (953 m). Etwas rechts der Bildmitte der 1222 m hohe Bláfjall und rechts am Bildrand angeschnitten der Sellandafjall (988 m), der ziemlich genau im Süden des Mıvatn iegt.

Eine Lachmöwe leistet uns Gesellschaft und verschlingt nach und nach wenigstens ein halbes Pfund Brot, bis sie mit schweren Flügelschlägen und vollem Krafteinsatz abfliegt.

Einzug in Helluhraun

Schließlich beziehen wir unser Zimmer im Gästehaus Helluhraun 9, Zimmer Numero 8. Eine ganz auf schlichte Praktikabilität hin optimierte Zelle. Toilette und Dusche über den Flur. Sehr hellhörig, aber gottlob: Nicht alle Menschen schnarchen.

Ich breche abends noch zu einer kleinen Fotorunde auf.

Die kleine Kirche von Reykjahlíð. Beim Ausbruch ... stoppte der Lavafluss einige Meter vor dem Gotteshaus. Wer möchte da nicht gerne an ein Wunder glauben.

Wenn man so will: Das Zentrum von Reykjahlíð mit der Tankstelle, dem Supermarkt und dem gleichnamigen Hotel (gleich dahinter liegt auch der Campingplatz).

Wieder ziehen die Abendnebel über den See herein und umwabern den 529 m hohen Vindbelgjarfjall. Der letzte Abend am Mıvatn.


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